Chiracs Frankreich

Chiracs Frankreich hat es geschafft, die berühmt-berüchtigte Defizitgrenze von 3% nicht zu überschreiten gemäss den eigenen Statistikern. Grund genug für mich, einige Zeilen diesem Thema zu widmen.

Allen Interessierten empfehle ich die Lektüre der Frankreichkarte gegen die neoliberale Globalisierung auf jjahnke.net. Die Uhren ticken in Frankreich wirklich anders, die in der Frankreichkarte aufgeführten Zahlen geben darüber Auskunft. Gefunden im kulturblog.

Sei es Staatsquote, Spitzensteuersatz oder Körperschaftssteuer, der französische Staat scheint einen grösseren Anteil am täglichen Leben zu haben als zum Beispiel in Deutschland.

Es gibt in der ganzen Welt kaum ein Land, das sich so energisch der neoliberalen Form von Globalisierung widersetzt, wie Frankreich. Mit einem Generalstreik gegen die Lockerung des Kündigungsschutzes wird ein neues, in Deutschland bisher schwer vorstellbares Zeichen gesetzt. Es ordnet sich ein in viele andere Abwehrkämpfe, von der Abwehr des Türkei-Beitritts zur Europäischen Union, des neoliberalen Kommissionsentwurfs für eine europäische Dienstleistungsrichtlinie, der Europäischen Verfassung bis zum Mehrfachstimmrecht von Altaktionären gegen die Heuschreckeninvasion kurzfristig spekulierender Finanzinvestoren. Die Stabilisierung des französischen Rentensystems über einen am Mehrwert der französischen Unternehmen gemessenen Sonderbeitrag der Arbeitgeber ist ein weiterer Schritt, der die deutschen Fehler einer Mehrwertsteuererhöhung vermeidet und erstmals den technischen Fortschritt direkt für die Renten mitzahlen läßt. Frankreichs Uhren gehen definitiv anders als die in London oder Washington.

Die jetzigen Proteste gegen die Arbeitsmarkt-Reform - anschauliche Fotos auf flickr - zeigen meiner Meinung nach einen grösseren Glauben der Bevölkerung in die eigene Fähigkeit zur Veränderung.

Ich wünsche den Kämpfern gegen die Arbeitsmarkt-Reform alles Gute und vor allem viel Erfolg, und jeden erdenklichen gesellschaftlichen Rückhalt. ¡Solidarität!
Ich wünschte mir einen klareren Standpunkt mancher meiner Landsleute, um einen ähnlich starken gesellschaftlichen Widerstand gegen die kommenden starken Einschnitte ins soziale Netz zu organisieren.

genotoxic

3 Kommentare »

  1. Le MAquIS Said,

    1. April, 2006 @ 21:24

    Wow, bin begeistert von den neuen Erkenntnissen.
    Sehr guter Link zu jjahnke.net, höchst interessant.

    Generalstreik in Deutschland gab es zuletzt 1920 glaube ich und ich denke, es wird der letzte für sehr sehr lange Zeit gewesen sein.
    Das liegt uns obrigkeitshörigen Deutschen nicht….

  2. genotoxic Said,

    2. April, 2006 @ 07:52

    Generalstreik ist ein bisschen wie Revolution, habe ich aber nie mit Deutschland in Zusammenhang gebracht.
    Wie sieht ein Generalstreik eigentlich in der Realität aus? Man geht einfach nicht zur Arbeit, oder nur die gewerkschaftlich Organisierten?
    Stell dir vor, es ist Generalstreik. Da wüsste ich im ersten Moment gar nicht, was ich tun, bzw. nicht tun sollte.

  3. Le MAquIS Said,

    2. April, 2006 @ 13:20

    Für mich als Deutschen ist der Begriff des Generalstreiks, ähnlich wie das Sinnieren über Sinn und Zweck von kleinen vermatschten Pfützen in der Nähe von Mehrfamilienhäusern im Hunsrück. E ist mir fern und ohne Rückbezug auf mein bescheidenes Dasein.
    Ich wüßte was ich täte im Falle eines Falles: Denken, neee kann ja gar nicht sein und zur Arbeit fahren und zu 99,9% mit dem Gedanken richtig liegen. Sollte es doch der Fall sein, ich es glauben und wissen, würde ich ausprobieren, wie es ist, die B1 morgens frei vom Berufsverkehr zu fahren. Aber mit zunehmender Arbeitslosigkeit wird es a. bald keinen Berufsverkehr mehr geben (schicker Nebeneffekt) und b. bald keinen mehr geben der generell streikt. Was dann dazu führt, dass ich es absehbar genau wissen werde, wie es ist auf der B1 ohne Berufsverkehr, was wiederum dazu führt, dass es mich im Falle eines Generalstreiks doch nicht interessieren wird, und ich einfach im Bett bleibe….

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