Sanierungsfall Deutschland, was tun?
das foto habe ich im Spam-Ordner gefunden, zwischen den ‘Tabulosen Swingern’ und ‘Luxury Watches’, eine echte Momentaufnahme unserer Zeit.
Arbeitszeitverlängerung bei VW in Wolfsburg: wenn Arbeitnehmer länger für das gleiche oder nur etwas mehr Geld arbeiten, dann kommen dabei in der Summe weniger Stellen heraus.
Siemens Netzwerksparte fusioniert mit NOKIA, eine Verlagerung von Arbeitsplätzen in Richtung Finnland?
Im Zuge der wahrscheinlichen Stahlfusion von Arcelor entweder mit Severstal oder Mittal, stehen weitere Jobs in der Stahlbranche (EKO Brandenburg?) zur Disposition.
Heute: Sparpläne bei der Allianz, 7500 Stellen werden abgebaut.
Die Weltwirtschaft ist ein Nullsummenspiel, was der eine gewinnt, muss irgendjemand anderes bezahlen.
In den Siebziger Jahren wurde die Volkswirtschaft Grossbritanniens zu Grunde gerichtet. Das Britische Pfund und die Industrie wurden über Nacht praktisch bedeutungslos, danach folgten Jahrzehnte der Depression.
Um in diesem Spiel nicht ins Hintertreffen zu geraten, bedarf es auch einer geschickten Politik.
Deutschland, das muss man ganz klar sagen, ist seit einiger Zeit wieder einer der grossen Profiteure in diesem Spiel (nach Kohl).
Wenn diese Zeit jetzt vorbei ist, dann ist sie vorbei. Unsere Politik tut jedenfalls nichts, was dieses verhindern könnte.
Der Staat bläht sich immer mehr auf, will mehr Informationen und Geld. Und wundert sich dann, dass die Binnennachfrage so schwach ist.
Kombilöhne, Zuzahlungen, allerlei Zuwendungen, die gezahlt werden, wenn der Antragsteller bestimmte Kriterien erfüllt. Oder nicht erfüllt, Anträge werden abgelehnt, Widersprüche werden gestellt … Der resultierende Verwaltungsapparat wird selbstverständlich von Steuergeldern finanziert.
Wurden eigentlich schon nachhaltig Subventionen gekürzt?
Die Gesundheitsreform ist keine Gesundheitsreform, sie ist eine Neugestaltung der Einnahmeseite, sprich der Krankenkassenbeiträge.
Die Ausgabenseite, wenn z.B. 23 verschiedene Krankenkassen mit einem Krankenhaus über Pauschalen verhandeln, die wird davon gar nicht berührt.
Bisher wurde vor allem sehr viel Energie darauf verwendet, die Einnahmeseite des Staates zu verbesssern. Warum nicht gleich statt Solidarbeitrag ein Volkseinkommen? Der Staat nimmt sich dann einfach, was er braucht.
Will Frau Merkel etwa den sozialistischen Staat neu erfinden?
Was tun?
Ich montiere mir 2 D-Flaggen aufs Auto-Dach (made in China) und fahre hupend 2h durchs Stadtzentrum zur Hauptverkehrszeit.
Das ist die Euphorie, mit der ich den neuen Herausforderungen unserer Zeit begegnen werde.


Le MAquIS Said,
23. June, 2006 @ 10:10
Wie, was made in China? Auto-Dach oder Fahne?
Volkseinkommen klingt gut. Wobei Volk als Begriff diffizil ist, völkisch noch viel diffiziler.
Schlittern wir vom Postkapitalismus in den Präkommunismus und das übergangslos?
Wahnwitzige Vorstellung. Naja,solange Deutschland morgen gewinnt, soll es mir recht sein.
Vielleicht hilft die positive Stimmung gerade die Binnennachfrage anzukurbeln (Bälle, Bier und Fußballschuhe als Wirtschaftsfaktor) und somit im Nullsummenspiel mal Deutschland den plusfaktor zuzuschustern, der dann mal durch andere genullt wird (ggf. durch Tschechien und die USA nach dem Vorrundenaus)…
Wir bekommen den Tanker Deutschland schon wieder flott.
Wir suchen nur noch den Vorwärtsgang, rückwärts können wir schon…
genotoxic Said,
23. June, 2006 @ 10:32
Wir beide haben den Vorwärtsgang eingelegt, maquis!
wir sind als ‘early adopter’ und im weitesten Sinne als pragmatische Dienstleister ja im Schnellboot unterwegs.
Viele andere übrigens auch, viele Unternehmen, wendig, schnell, anpassungsfähig.
Wenn, wie meistens, die träge Masse des Tankers zurückbleibt, dann bin ich enttäuscht und traurig … und fahre mit meinem Schnellboot auf eine Insel.
Auch auf die Gefahr hin hier klassenkämpferisch zu wirken, die einzige Lösung ist eine Umverteilung des Kapitals.
Die Hierarchien müssen abgeschafft werden, eine Gruppe ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied.
Der Manager auf einer Stufe mit dem Arbeiter. Der Wert der einfachen Arbeit muss viel höher wertgeschätzt werden …
… und alle haben ein D-Fähnchen am Auto, das Fähnchen ist selbstverständlich von den Genossen Werktätigen aus der Volksrepublik China gefertigt worden.
Le MAquIS Said,
23. June, 2006 @ 11:42
Das ist arg klassenkämpferisch.
Du trennst damit Entlohnung von Verantwortung.Ein Manager trägt ein anderes Risiko und wird dafür entsprechend, nicht unbedungt adäquat, entlohnt. (Guckst du hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,422959,00.html )
Dei Fehler eines Arbeiters kommen meist billiger.
Aber da kommt man in die prinzipielle Diskussion über Arbeitswert, Mehrwert, etc. Schwierig.
Ist die Gruppe nur so stark wie ihr schwächstes Glied? Oder können die starken die schwachen im Sinne eines Ruderbootes ausgleichen? Oder sollte man sie sanft zwingen zum Ausgleich?
Der Mensch ist hierarchisch, das kann man nicht abschaffen. Siehe Alpha-Männchen etc.
Nichtsdestotrotz wäre Anarchie, oder dieGleichheit/Gleichwertigkeit aller ne coole Sache.
genotoxic Said,
23. June, 2006 @ 18:30
die Produktivität des Arbeiters und des Managers muss entlohnt werden, Fehler sollten nicht entlohnt werden …
… wenn das Allianz-Management jetzt auf einen Streich 7.500 Stellen kürzen muss, dann haben die über Jahre richtig Scheisse gebaut!
Die dürften also gar nix mehr verdienen.
Mehr Verantwortung, mehr Geld. Aber kein Automatismus, das Fixum eines Managers könnte durchaus dem Lohn eines einfachen Fliessbandarbeiters entsprechen. Erst die produktive Arbeit ermöglicht ein höheres Gehalt.
vaterlandslose-gesellen Said,
26. June, 2006 @ 10:00
BEISPIEL DDR:
Warum sanieren ?
Abwickeln ist die bessere Deutsche Tradition
Le MAquIS Said,
26. June, 2006 @ 15:22
Die DDR war nicht sanierbar….
Abwickeln war auch dämlich, da die Überprüfung des Einzelfalls nicht zählte. Rückgabe vor Entschädigung setzte dem die Krone auf.
Aber recht so genotoxic. Fehler sollten nicht entlohnt werden.
Das muss dann aber auch für alle gelten. Auch für den Fließbandarbeiter.
Nur wer entscheidet welche Entscheidung von welchem Entscheider für welchen Fehler verantwortlich zu machen ist? Die Allianz wird sich wahrscheinlich nach den Stellenstreichungen nicht mehr nur dumm, sondern dumm und dämlich verdienen. Insofern die Frage, ob der Manager sich damit dann sein hohes Gehalt verdient hat?